29. Tiroler Lehrlingsausbilder*innen-Kongress im Stanglwirt
Das Ausbilderforum veranstaltete am Freitag, den 16. Oktober 2026 gemeinsam mit dem Bio- und Wellnessresort Stanglwirt den 29. Tiroler Lehrlingsausbilder*innen Kongress. Rund 120 Ausbilder*innen, Personalverantwortliche sowie Vertreter*innen aus Verwaltung, Bildung und Wirtschaft nahmen am Kongress in Going teil.
Betriebsführungen durch den Stanglwirt
Nach ihrer Ankunft wurden die Gäste von Lehrlingen und Ausbilder*innen des Stanglwirts in Empfang genommen und in Gruppen durch das imposante Resort geführt. Dabei konnten die Gäste die verschiedenen Restaurants, den Wellnessbereich und sogar die Ställe besichtigen. Dadurch erhielten sie spannende Einblicke in die Abläufe und Angebote des Hotels und erfuhren zudem interessante Details zur Entwicklung des Stanglwirts vom Einkehrgasthof bis zum international bekannten Wellnessresort.



Präsentation von Elisabeth Hauser-Benz: Lehrlingsausbildung im Stanglwirt
Nach den Betriebsführungen durch den Stanglwirt begann das offizielle Programm im Kaisersaal. Moderator Alois Gruber, Ausbildungsleiter bei Binderholz, begrüßte die Gäste und übergab das Wort an Gastgeberin und Personalleiterin Elisabeth Hauser-Benz. In Ihrer Ansprache hieß sie alle Teilnehmer*innen herzlich willkommen und freute sich über das zahlreiche Erscheinen.
Die Personalleiterin begann ihren Vortrag mit einer Vorstellung des Familienunternehmens. So arbeiten alle Mitglieder der Familie Hauser aktiv im Hotelbetrieb, im Gestüt oder in der Landwirtschaft mit. Im gesamten Resort beschäftigt die Familie derzeit etwa 360 Mitarbeiter*innen. Besonders stolz ist man auf die Eigenständigkeit des Hotels in Bezug auf Dienstleistungen wie die Wäscherei, die Lebensmittelproduktion (Käserei und Schlachterei) oder die hauseigene Kosmetiklinie. Auch die Hotelbuchungen werden ausschließlich über das Hotel selbst abgewickelt und können über keine externe Buchungsplattform durchgeführt werden.



Nach der Vorstellung des Familienunternehmens präsentierte Elisabeth Hauser-Benz auch die hausinterne Lehrlingsausbildung. Momentan beschäftigt man 32 Lehrlinge in verschiedenen Berufen wie Koch/Köchin, Restaurantfachkraft, Gastronomiefachkraft, Hotel und Gastgewerbeassistent*in, Hotelfachfachmann/frau und Konditor*in. Seit neuestem bildet man auch den Beruf Milchtechnolog*in aus.
Bei der Lehrlingsausbildung ist es der Personalleiterin wichtig, dass sich alle Lehrlinge im Betrieb wohlfühlen und das ganze Hotel und seine Arbeitsabläufe kennen. Dafür stehen allen Lehrlingen Buddies zur Seite, die sie während der Ausbildungszeit begleiten und unterstützen. Ein besonderes Highlight stellt das jährliche Lehrlingsevent für Familien und Freund*innen dar. Dieses Event wird von der Warenkalkulation bis hin zum Service vollständig von den Lehrlingen geplant und umgesetzt. Hierbei können sie ihre Teamfähigkeit stärken, Ideen ausprobieren und das bisher Gelernte umsetzen.
Verleihungsfeier Weiterbildungspass des Landes Tirol
Nach der Präsentation von Elisabeth Hauser-Benz erhielten 27 anwesende Ausbilder*innen ihre Zertifikate und Diplome des Weiterbildungspasses des Landes Tirol. Landeshauptmann Anton Mattle, AK-Vizepräsidentin Andrea Ager, WK-Bezirksstellenobmann Hermann Huber und ÖGB-Jugendvorsitzender Berke Erdogan gratulierten den heuer ausgezeichneten Ausbilder*innen herzlichen zu ihrem Erfolg.
Bei der Zertifikatsübergabe betonte Landeshauptmann Mattle, dass die engagierten Ausbilder*innen ein wesentlicher Antrieb für Tirols Lehrlinge sind. Sie vermitteln nicht nur Wissen und praktische Fertigkeiten, sondern prägen jungen Menschen nachhaltig. Sie sind Bezugspersonen, Mentor*innen und Lehrer*innen der praktischen Ausbildung. Damit tragen sie wesentlich dazu bei, dass sich Lehrlinge beruflich und persönlich weiterentwickeln. Für diesen Einsatz gebührt unseren Lehrlingsausbilderinnen und -ausbildern große Anerkennung, so der Landeshauptmann.



Keynote von Nedžad Moćević: Vielfalt als Ressource
Nach einer Kaffeepause wurde das Programm mit einer Keynote von Nedžad Moćević fortgesetzt. Moćević ist Researcher an der FH Salzburg am Department für Angewandte Sozialwissenschaften, Fortbildner der Beratungsstelle Extremismus sowie selbstständiger Trainer und Berater im Bereich Interkulturalität, Diversität und Supervision.
In seiner Keynote präsentierte er zentrale Erkenntnisse aus seiner Forschung und Beratungstätigkeit im Bereich Vielfalt, Interkulturalität und Extremismusprävention.
Konflikte als Zeichen von Nähe
Dabei hob er besonders hervor, dass Konflikte paradoxerweise Teil gelungener Integration sind. Integrierte Menschen sehen sich nämlich als Teil der Gesellschaft und erheben ihre Stimme, stellen Forderungen und beteiligen sich an gesellschaftlichen Diskussionen. Daher bewirken Konflikte oft positiven gesellschaftlichen Wandel wie zum Beispiel die Einführung des Frauenwahlrechts oder die Abschaffung der Rassentrennung. Konflikte sind damit Zeichen für Nähe, weil Menschen etwas miteinander aushandeln, so Moćević, werden aber in rechtsextremen Narrativen als ein Anzeichen für das Scheitern des Zusammenlebens dargestellt.



Konflikte vs. Extremismus
Während Konflikte folglich das Zusammenleben verbessern können, gefährdet hingegen Extremismus als Ideologie der Ungleichheit den Zusammenhalt in einer Gesellschaft. Moćević erläuterte, dass mit Extremismus abwertende und ausgrenzende Einstellungen gegenüber Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe gemeint sind. Extremismus ist also nicht das Abweichen von einer – je nach geschichtlichem Stand – akzeptablen Norm, sondern eine gruppenbezogene menschenfeindliche Einstellung. Würde man Extremismus rein als Abweichung von einer „mittleren“ Position verstehen, könnte man laut Moćević auch Martin Luther King oder Rosa Parks als Extremisten bezeichnen.
Der Ausweg: Empathie und Haltung
Auf die Frage, wie man im betrieblichen Kontext auf abwertende Aussagen oder Haltungen reagieren kann, empfahl Moćević den Teilnehmer*innen, einen Mittelweg aus Empathie und Haltung zu finden. Empathie bedeutet in diesem Kontext, das Bedürfnis der handelnden Person hinter ihrer Aussage oder Handlung zu verstehen und darauf zu reagieren. Diskussionen auf einer sachlichen Ebene helfen hier erfahrungsgemäß wenig, weil Ideologien schwer zu besprechen sind. Wenn man aber mit Empathie reagiert, findet man laut Moćević leichter Zugang, sofern sich die betroffene Person darauf einlässt. Gleichzeitig müsse man aber Haltung zeigen und verdeutlichen, dass abwertende Aussagen und Haltungen (z.B. Rassismus, Homophobie) im Betrieb nicht geduldet werden.
Um das Abgleiten in Extremismus überhaupt zu vermeiden, ist es wichtig, dass Menschen ihre Identität nicht ausschließlich auf Werten und Idealen aufbauen. Gerade bei Jugendlichen ist es wichtig, eine vielschichtige Identität aufzubauen – durch ein gutes soziales Netzwerk, körperliches und psychisches Wohlbefinden, Perspektiven und Sicherheit und Blick auf gute Leistungen und Erfolge. So können potentiell problematische Werte oder Ideale nicht die Identität eines Jugendlichen bestimmen oder sogar „übernehmen“.
Präsentation von Best Practice Projekten aus der Lehrlingsausbildung
Auf den spannenden Vortrag mit angeregter Diskussion folgte mit der Vorstellung von Best Practice Projekten der letzte Programmpunkt des Kongresses. Hier präsentierten die zuvor ausgezeichneten Lehrlingsausbilder*innen Marco Scheitz, Nicole Wurzer und Rupert Grassmair Projekte, die sie im Rahmen ihrer beruflichen Praxis durchgeführt haben.
Marco Scheitz ist Ausbilder bei Siemens und stellte dem Publikum sein Projekt „Smart Level Up – Mehr als nur Lernen“ vor. In seinem Projekt entwickelte Marco eine App mit der seine Lehrlinge digital lernen und Inhalte vertiefen können. Ähnlich wie bei anderen Lernapps baut „Smart Level Up“ auf dem Prinzip der Gamification auf und gibt den Anwender*innen Anreize für kontinuierliches Lernen.



Nicole Wurzer ist Filialleiterin bei MPREIS in Mittewald und stellte den Teilnehmer*innen am Kongress ihr Projekt „Von der Lehre zur Führung. Ein Projekt zur Erprobung von Führungsfähigkeiten“ vor. Gegenstand ihres Projekts war die einwöchige Übergabe der Filialleitung an ihren Lehrling. Ihr Lehrling konnte dadurch den Aufgabenbereich einer Filialleitung kennenlernen, Sicherheit gewinnen und auch seine fachlichen und sozialen Kompetenzen stärken.
Rupert Grassmair ist Bauleiter und Lehrlingsausbilder bei der Firma Riedle Installationen GmbH in Innsbruck. Er stellte dem Publikum sein Projekt „Ein Erlebnis fürs Leben. Lehrlinge, die ihr Wissen unter Beweis stellen und dabei ihre sozialen Kompetenzen erweitern“ vor. Bei diesem Projekt übernahmen Lehrlinge die Planung und Installation eines neuen Waschtischs im Caritas-Zentrum Zillertal. Da ihnen bei der Durchführung viel Verantwortung übertragen wurde, entwickelten sie nicht nur mehr Selbständigkeit und Verantwortungsbewusstsein, sondern konnten auch ihre Genauigkeit und Teamfähigkeit verbessern. Zudem führte der soziale Hintergrund des Projekts zu einer Sensibilisierung und persönlichen Weiterentwicklung.
Danksagung
Das Ausbilderforum bedankt sich ganz herzlich beim Bio- und Wellnessresort Stanglwirt, den Kongresssponsoren, Mitwirkenden und allen anderen, die zum Gelingen dieses Kongresse beigetragen haben!



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